Warum männliche Tränen immer noch soviel Aufmerksamkeit erregen

Podcast von Deutschlandfunk Nova

AUSZUG
Johannes Döbbelt „Ich hab über das Thema auch mit dem Männerforscher Christoph May gesprochen und er sagt, Männer lernen schon früh, dass andere Männer nicht weinen, zum Beispiel, weil viele Männer, die heute erwachsen sind, früher ihre Väter nie oder selten haben weinen sehen.“
Christoph May „Ja, also wir wachsen sprichwörtlich nicht mit Männern auf, die emotional integer sind und Weinen als absolut gewinnbringende Möglichkeit sehen, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Und gleichzeitig steht auch die Frage, warum ist es so erstaunlich, dass das mal jemand öffentlich tut? Das heißt, hier sind wir auch damit konfrontiert, dass wir öffentlich gar nicht unsere Gefühle zeigen dürfen. Unsere Vorstellung von Professionalität, wie man sich öffentlich zu verhalten hat, wie man sich inszeniert öffentlich, ist eine zutiefst männliche.“
Johannes Döbbelt „Männerforscher Christoph May, der würde sich auf jeden Fall wünschen, hat er mir gesagt, dass öffentliches Weinen gerade bei mächtigen Männern auch häufiger vorkommt und dass das so vielleicht dann auch insgesamt gesellschaftlich akzeptierter wird.“
Christoph May „Also ich würde gern mehr Politiker sehen, männliche Politiker, die ihre Emotionen mit in den Alltag bringen, die zeigen, wenn sie überfordert sind, die zeigen, wenn sie, ja, wenn sie nicht mehr weiter wissen, die sich eingestehen, dass sie nicht mehr weiter wissen und das auch thematisieren. Das hat auch mit Glaubwürdigkeit zu tun.“
Johannes Döbbelt „Er glaubt aber, bis es soweit ist, dürfte das noch einige Jahrzehnte dauern, also er geht da von einer sehr langfristigen Entwicklung, wenn überhaupt, aus.“

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